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Politik trifft Wissenschaft zu Telegesundheit in Österreich

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16. April 2021 3. dHealth Pulse zu Telegesundheitsthemen

Am Dienstagabend, den 13.4.2021, nahmen über 80 Teilnehmer*innen virtuell an der dritten dHealth Pulse Veranstaltung teil - diesmal zum Thema "Telegesundheitsdienste - Der Weg in die Regelversorgung".

In eineinhalb Stunden präsentierte und diskutierte das prominente Podium die aktuellen Entwicklungen in den Pionier-Ländern Tirol und Steiermark, besonders am Beispiel HerzMobil. Durch die Veranstaltung führte AIT Experte für Telegesundheit Günter Schreier, Competence Unit Digital Health Innovation Systems des Center for Health & Bioresources.

Der Einsatz von modernsten Informations- und Kommunikationstechnologien erleichtert in der derzeitigen Pandemie nicht nur die Kommunikation und ermöglicht die Durchführung von virtuellen Besprechungen, sondern zeigt in der Form von Telegesundheitsdiensten gerade in einer solchen Situation die Vorteile und Anwendbarkeit dieser Technologien bei der Behandlung und Betreuung von Patient*innen im Rahmen des Therapiemanagements. Mit dem von AIT gemeinsam mit den Ländern Tirol und Steiermark entwickelten Telegesundheitssystem HerzMobil, nutzt man die Vorteile von Telegesundheitsdiensten in der Betreuung von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz. In diesen beiden Bundesländern ist diese Art des Therapiemanagements bereits in der Regelversorgung angekommen. Die zugrundeliegende Technologie kann flexibel an die Bedürfnisse der Gesundheitsdienstleister angepasst werden und ist auch für andere Einsatzbereiche wie z.B. Diabetes und ambulante Schlaganfallversorgung in Verwendung. Die Telehealth Lösung unterstützt Patient*innen und medizinisches Fachpersonal bei der laufenden Betreuung im Rahmen ihres Therapiealltags und erlaubt rasch auf Verschlechterungen des Gesundheitszustandes zu reagieren. Die Schwerpunktthemen des Abends waren: der Weg von Telegesundheitsdiensten in die Regelversorgung, welche Strukturen dafür notwendig sind, was der Nutzen für die betroffenen Personen und Patient*innen ist sowie die Integration und das Zusammenspiel mit der ELGA Infrastruktur mittels Telemonitoring Episodenbericht.

Das hochkarätige virtuelle Podium
Mit dem ersten Vortrag des Abends betonte Bernhard Tilg, Landesrat für Gesundheit, Pflege, Senioren und Wissenschaft in Tirol, die Wichtigkeit der Telegesundheitsdienste als innovative Infrastruktur für die österreichische Gesundheitsversorgung: „Der Nutzen für die Gesellschaft und die Gesundheitssysteme durch eine integrierte Versorgung steht mittlerweile außer Frage. Trotzdem ist es für Gesundheitssysteme eine große Herausforderung durchgängige und effektive integrierte Versorgung zu leisten. Nur wenige Organisationen weltweit haben es geschafft, effektive Formen von integrierter Versorgung durch Disease Management Programme einzuführen. Gerade hier kommt Telegesundheitsdiensten im österreichischen Gesundheitssystem eine besondere Bedeutung zu. Mithilfe von datengetriebenen Systemen ist es möglich das Betreuungsnetzwerk ideal zu unterstützen, so Disease Management Programme zu etablieren und institutionalisieren und einen Mehrwert für alle Beteiligten am System gewährleisten zu können. In Tirol führen wir seit dem Jahr 2017 ein regelfinanziertes Disease Management Programm HerzMobil Tirol mit einem sektorenübergreifenden Behandlungspfad und einer modernen ELGA-basierten Telegesundheitsdienste-Infrastruktur und versorgten auf diesem Wege bisher rund 600 Herzinsuffizienz-Patienten. Eine analoge Vorgangsweise wird im Bereich Diabetes mit DiabCare Tirol verfolgt. Für die Versorgung chronisch kranker Patienten konnten wir hiermit einen wesentlichen Meilenstein in der Tiroler Gesundheitsversorgung erreichen und gelten damit in Österreich und Europa als Innovationsmotor.“

Für die steirische Gesundheitslandesrätin, Juliane Bogner-Strauß, sind Telegesundheitsdienste der richtige Weg für die zielgerichtete und patientenzentrierte Versorgung: „Wie sehr Digitalisierung in unserem täglichen Leben angekommen ist, erleben wir mit der Corona-Krise auf ganz spezielle Weise. Daher muss unser Ziel sein, auch in der Gesundheitsversorgung die Digitalisierung voranzutreiben und für die Patientinnen und Patienten digitale Lösungen einfach und mit höchstmöglichem medizinischen Nutzen zur Verfügung zu stellen. Unsere Projekte wie beispielsweise HerzMobil Steiermark zeigen, dass Digitalisierung in Kombination mit integrierter Versorgung vor allem bei chronischen Erkrankungen sowohl für Behandler als auch für Patientinnen und Patienten eine qualitätsvolle Versorgung vereinfacht. Unsere Aufgabe ist es, diese Entwicklung voranzutreiben und auch dafür zu sorgen, dass die Finanzierung von eHealth-Anwendungen im Regelbetrieb möglich wird. Daher werden wir uns dafür einsetzen und für Akzeptanz werben, dass sowohl die Verantwortlichen im Bund und in der Sozialversicherung dies entsprechend im Gesamtvertrag berücksichtigen“.

Andreas Huber, Vorstand Landesinstitut für Integrierte Versorgung Tirol, präsentierte die Telegesundheitsdienste als Schlüssel für die integrierte Versorgung anhand des Beispiels Tirol: „Das Landesinstitut für Integrierte Versorgung Tirol hat unter anderem die Aufgabe, integrierte Versorgungsprozesse und innovative Behandlungsstrukturen zu etablieren. Das Ziel besteht in einer Steigerung der medizinisch-pflegerischen Versorgung bei gleichzeitiger Senkung der Kosten. Die patientenorientierte Versorgung erfolgt in einem interdisziplinären und multiprofessionellen Netzwerk von Professionisten unterschiedlichster Gesundheitsberufe. Dieses Behandlungsnetzwerk wird von Telegesundheitsdiensten wertvoll unterstützt. So kann beispielsweise das HerzMobil Tirol-Netzwerk auf ein eigens entwickeltes Telemonitoring-Programm zugreifen, das eine orts- und zeitunabhängige Begleitung der Patienten gewährleistet – ein Mehrwert für das gesamte System und vor allem für die Patienten.“

Der ärztliche Leiter von HerzMobil Tirol Gerhard Pölzl zeigte aus der Praxis wie die Telemedizinischen Behandlungspfade die Lebensqualität der Patient*innen erhöhen und die Mortalitätsrate signifikant senken: „Seit dem Jahr 2012 betreuen wir Patienten im Telemonitoring-Programm Herz-Mobil Tirol, das 2017 in die Regelversorgung übernommen wurde. Mittlerweile können wir auf mehr als 600 Patientenfälle zurückblicken. Eine Studie der Daten hat eindrucksvoll gezeigt, dass unser Programm zielführend ist. So konnte die Wiederaufnahmerate in Krankenhäuserin innerhalb von sechs Monaten nach einer Dekompensation aufgrund einer Herzinsuffizienz (relative Risikoreduktion der stationären Aufnahmen wegen Herzinsuffizienz pro 100 Personen-Jahre um 59%) sowie die Ein-Jahres-Mortalität (relative Risikoreduktion um 62%) signifikant reduziert werden. Nicht zu vernachlässigen ist auch das subjektive Empfinden der Patienten, denen wir Sicherheit und mehr Lebensqualität durch unser Programm geben können.“

Der Leiter der Abteilung Innere Medizin des LKH Hochsteiermark, Gerald Zenker, sieht die Form der Versorgung mit Telegesundheitsdiensten als wichtigen Teil für die Zukunft: „Die Steiermark ist ein Vorreiter im Bereich der Gesundheitsversorgung durch Unterstützung von eHealth-Anwendungen. Das Beispiel HerzMobil Steiermark, das derzeit steiermarkweit ausgerollt wird zeigt, dass durch diese Betreuung der Herzinsuffizienz-Patienten beachtliche Ergebnisse erzielt werden und enorme Patientenzufriedenheit geschaffen wird. Krankenhausaufenthalte wurden mehr als halbiert und die Sterblichkeit der Patienten wurde deutlich reduziert, Vitalparameter werden per elektronischer Übermittlung laufend monitorisiert und damit auch für alle Beteiligten vereinfacht. Zudem werden Patienten gut eingeschult und auch zu Hause von speziellen Fachkräften betreut. Die vorhandenen Strukturen können auch in weiterer Folge für andere Bereiche in der Kardiologie benützt werden, wie beispielsweise für Patienten mit Herzschrittmacher-Nachsorge. Wichtig für eHealth-Projekte im Bereich der Gesundheitsversorgung ist die Überführung in die Regelversorgung. Und nicht zu vergessen, das Feedback der Patienten ist gewaltig: sie fühlen sich gut und sicher begleitet, lernen durch Eingabe von Daten mit der eigenen Erkrankung besser umzugehen.“

Von der ELGA GmbH präsentierte Nikola Tanjga wie HerzMobil als Referenzsystem für den neuen Telemonitoring-Episodenbericht dienen konnte: „Um Telegesundheitsdienste und die ELGA zusammenzuführen, wurde mit dem neuen CDA-Dokument-Standard „Telemonitoring-Episodenbericht“ der erste Schritt gemacht. Ab Ende 2021 können Patienten bereits die ersten Telemonitoring-Episodenberichte aus beispielsweise HerzMobil in der eigenen ELGA erwarten.“

Zum Abschluss gab es eine angeregte Diskusions- und Fragerunde mit allen Teilnehmenden und Vortragenden. Moderator und Gastgeber der Veranstaltung Günter Schreier: „Ich bedanke mich bei unseren hochkarätigen Präsentatoren für diese einzigartige Darstellung wesentlicher Erfolgsfaktoren für die Etablierung von Telegesundheitsdiensten, und freue mich auf die Fortführung dieser Diskussion im Rahmen einschlägiger Sitzungen bei der dHealth und zukünftigen dHealth Pulses.“

dHealth 2021 und ihre Pulse Veranstaltungsreihe
Von 11. – 12. Mai findet die dHealth 2021 statt - DAS österreichische Event für Gesundheitspolitik, Healthcare-IT und Fachnetzwerken zum Thema „navigating healthcare through challenging times“. Die neuen regelmäßigen „dHealth Pulse“-Sessions erweitern die dHealth auf das ganze Jahr und behandeln an Schwerpunktabenden die brandaktuellen Themen aus digital Health, AI im Gesundheitsbereich und AAL.

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